Seit 2012 sind wir regelmäßig in Island. Das Land sitzt nicht nur auf zerrenden Erdspalten, aktiven Vulkanen, geschmückt von Gletschern und Nordlicht - das Land ist fest verankert in Büchern, Bildern, Musik und Architektur. Eine Insel der Kultur.

Fast jeder Isländer singt in einem Chor, spielt ein Instrument, malt oder schreibt ein Buch. Und wenn er das alles gerade nicht tut, liest er wenigstens. Die Quintessenz dieser Kreativität heißt Harpa.

Die Harpa wurde 2011 als Konzert-und Konferenzhaus eröffnet. Entworfen vom Künstler Ólafur Elíasson.

Das Effektglas spiegelt die Tageszeiten aussen und passt ihnen die Haut des Gebäudes an wie ein Chamäleon. Sonne, Wolken, Mond und Sterne lädt es ins Innere ein. Auch Vulkane, Gletscher, Nordlicht und Felsen schwingen durch das Gebäude.

Alle Isländer waren aufgerufen, einen Namen für das Konzerthaus zu finden. Er sollte in möglichst vielen Sprachen verständlich sein. Aus 4000 Einsendungen wurde Harpa - Harfe ausgewählt. Isländer lieben solche Wettbewerbe. Vor einigen Jahren suchte die Fluggesellschaft das schönste Wort der isländischen Sprache. Gewonnen hat ljósmóður=Lichtmutter, das Wort für Hebamme. Die Begeisterung für ihre Sprache, die nur von ca. 400.000 Menschen in der Welt gesprochen wird, gründet sich auf die Sagas. Diese zunächst mündlich überlieferten Heldenlegenden der ersten Einwanderer sind  Nationalmythos, kollektives Gedächtnis und Kulturgut. In den dunklen Wintermonaten dienten sie auf den Farmen zur Unterhaltung und zur Unterrichtung. 

Schriftsteller sind Nationalhelden mit eigenen Museen. Hier das Thórbergur-Center für Thórbergur Thórdarson (1888 - 1974) in Hali, Gemeinde Hornafjörður, Südisland. Thórdarson hat unter anderem seine Erfahrungen als Schiffkoch in seinen Romanen verarbeitet. Das Museum setzt mit seiner Regal-Architektur auch dem Buch an sich ein Denkmal.

Im Verhältnis erscheinen in Island jedes Jahr fünfmal mehr Bücher als in Deutschland und die Bibliotheken haben eine der höchsten Ausleih-Quoten der Welt. Diese Passion beruht auf den Sagas, den uralten Heldenerzählungen, auf die sich die isländische Sprache und Nation gründen. Sie wurden auf den Farmen, die im Winter die Kinder zum Schulunterricht versammelten, mündlich weitergegeben. International berühmt  wurden die Nonni-Kinderbücher von Jon Nonni Svensson, die Werke des Nobelpreisträgers Halldór Laxness und die Island-Krimis. In viele Sprachen übersetzt sind auch die großartig poetischen Romane über die aktuelle isländische Gesellschaft von Audur Ava Ólafsdóttir und Jón Kalman Stefánsson.

In Gljúfrasteinn, etwas außerhalb von Reykjavik, steht das Haus des Literaturnobelpreisträgers Halldór Laxness. Den Preis bekam er 1955. Das Haus wurde 1945 erbaut und enthält die Originalbibliothek des Schriftstellers. Auch wenn die Sprache veraltet klingt, die Themen sind teilweise immer noch aktuell. In "Atomstation" geht es um einen korrupten Politiker, der dem amerikanischen Militär Gelände für einen Atomstützpunkt verkauft.

Im Freilichtmuseum Árnesinga in Eyrabakki gibt es eine Buchbinderei

Ich stehe vor dem Vatnasafn in Stykkishólmur im Westen Islands. Hier laufen die Fähren zu den Westfjorden aus.  Die amerikanische Künstlerin Roni Horn hat eine ehemalige Bibliothek in ein Wassermuseum-Vatnasafn verwandelt. In den durchsichtigen Säulen ist Wasser von 24 Gletschern gesammelt, die als Eisblöcke ankamen. Wetter, Wasser und Worte finden hier zusammen. 

Isländer trotzen Wind und Wetter auch in der Kunst. Street Art findet man auch an entlegenen und unwahrscheinlichen Plätzen.